Dienstag, 12. Mai 2009

Freundschaft

Manch einer meiner lieben, treuen Blog-Leser wird sich nun wundern, warum ich nicht, wie versprochen über das Themenfeld der "Liebe" referiere, sondern nun doch über die "Freundschaft". Nunja, sagen wirs mal so: ich kann mit diesem Thema mehr anfangen, als mit dem Thema der Liebe.

Was bedeutet Freundschaft für mich? Was sind echte Freunde? Gibt es so etwas wie "beste Freunde"? Kann eine echte Freundschaft für immer zerbrechen? Und wenn ja, an was? Wie findet man wahre Freunde? Noch mehr Fragen als zuvor stehen hier zur Debatte. Die meisten kann auch ich nicht beantworten, aber zu manchen hab ich eine Meinung. And here it is:

Für mich persönlich bedeutet Freundschaft alles. Ohne meine Freunde wär ich nicht ich. Ich wär eine Ansammlung von Organen, Geweben und son Kack, ohne eigene Meinung und ohne Gefühle. Ich wäre hundertprozentig nicht wirklich glücklich. Freundschaft für mich ist mehr als nur ein Wort. Es ist einfach das Gefühl nicht alleine zu sein auf dieser Welt. Darum geht es für mich. Egal, ob ich etwas geniales oder etwas sehr trauriges erlebe, ich will es jemandem mitteilen. Will es jemandem erzählen, der mich versteht. Der mich nicht auslacht, wenn ich Scheiße bau. Jemanden, der mit mir lacht, wenn ich einen Witz erzähl. Jemanden, der mich in den Arm nimmt, wenn ichs nötig habe. Und jemanden, der weiß, was ich manchmal hören muss. Ich sage mit Absicht: "muss" und nicht "will". Es geht nicht darum jemanden zu haben, der sowieso immer mit mir übereinstimmt. Wie schön ist es doch, auch mal nicht der selben Meinung zu sein, aber dafür ehrlicherweise oft der gleichen Meinung zu sein. Das ist doch besser, als immer zu lügen, um immer die gleiche Meinung zu haben, oder nicht? Also ich persönlich finde es besser, von meinen Freunden auch mal zu hören: "Geht's noch? Jenny, des ist scheiße....", als die ganze Zeit nur: "Ja, Jenny. Du hast Recht, Jenny...." Ich empfinde es einfach als wichtiger, wenn meine Freunde mich kritisieren, und vor allem, wenn sie wissen, dass sie mich kritisieren können, weil ich viel auf ihre Meinung geben. Das bedeutet, dass ich Kritik von meinen Freunden mehr gebe und mir mehr Gedanken darüber mache, als wenn Fremde mich kritisieren. Deswegen gehört Ehrlichkeit zu den wichtigsten Tugenden einer Freundschaft. Es geht doch darum, dass wir wissen, dass jemand da ist, der uns auffängt, wenn wir fallen. Ich habe bemerkt, dass es sich viel einfach leben lässt, wenn man das weiß. Das Problem ist jedoch, dass viele Menschen uns das erzählen. Viele sagen, sie sind für einen da und enttäuschen einen dann, wenn es wirklich drauf ankommt. Das genau ist die Kunst einer wahren Freundschaft: man muss sie erkennen. Dieses Erkennen ist ein Prozess, der unterschiedliche Längen haben kann. Bei manchen Menschen merkt man sofort: "Hey, auf die kannst du dich verlassen.", bei anderen dauert dieser Prozess Jahre. Eine wahre Freundschaft hat für mich jedoch eine komplett andere Zeitrechnung als die normale Zeitrechnung, die wir kennen. Nur eine wahre Freundschaft übersteht Zeiten der Trennung. Daran erkennt man eine wahre Freundschaft.

Ich persönlich hatte zu Beginn meiner Teenie-Zeit einige Probleme mit Freunden, die bei mir das Problem aufbauten, dass ich nicht mehr so schnell Vertrauen schöpfen konnte, aus Angst enttäuscht zu werden. Nachdem ich dann etwas erwachsener wurde, habe ich wieder gelernt, Menschen zu vertrauen, einfach, weil ich gemerkt habe, dass mir sonst etwas fehlt. Dann hatte ich das Glück nach Amiland gehen zu können. Was zuvor von mir gefürchtet wurde, weil ich ja so meine Freunde verlieren könnte, wurde bald zu der besten Gelegenheit meine wahren Freunde zu erkennen. Als ich nach Amerika kam, hatte ich Angst wieder Freunde zu verlieren, da mir klar war, dass die Themen Distanz, Zeit und Selbstentfaltung zu Problemthemen werden könnten. Doch nach einiger Zeit realisierte ich zum einen, dass ich meine Freunde nicht verlieren werde und zum anderen, dass ich durch diese Zeit merken würde, wer meine wahren Freunde sind. Und es hat sich herausgestellt, dass sich manch eine, die ich vorher nicht auf dem Zettel "Beste Freundin" hatte, sich durch meine Zeit in Amiland zu eben dieser gemausert hat.

Die Frage ist jedoch: gibt es sowas überhaupt? Muss man zwischen Freunden, guten Freunden und besten Freunden unterscheiden? Ich muss leider sagen, dass ich mir nicht sicher bin. Natürlich gibt es Unterschiede im Freundschafts-Grad, aber wie misst man das? Ich persönlich habe mich dazu entschlossen, nach Freunden und Lieblingsmenschen zu unterscheiden, und während auf der Seite der Lieblingsmenschen die Zahl sehr, sehr, sehr gering ist, so ist die Zahl auf der Seite der Freunde nicht wirklich viel größer. Ich denke, es ist besser wenige Menschen zu haben, denen man vollkommen vertrauen (vgl. "Vertrauen-Blog") kann, als viele Menschen, bei denen man sich nicht so sicher ist, was man von ihnen halten soll.

Die Frage, ob eine wahre Freundschaft zerbrechen kann, muss ich leider mit "Ja" beantworten. Jedoch hat sich im letzten Jahr sehr viel bei mir in dieser Hinsicht geändert. Es geht dabei um eine Freundschaft von mir, die vor einigen Jahren zerbrochen ist. Dadurch kann ich behaupten zu wissen, was es bedeutet, eine Freundschaft zu verlieren. Jedoch kann ich auch behaupten zu wissen, dass ich weiß, wie genial es sich anfühlt, wenn eben diese verlorene Freundschaft wieder wächst und vielleicht stärker und besser wird als zuvor. Ich habe das Gefühl, als hätten wir Menschen manchmal die Möglichkeit unsere eigenen Fehler 1x zu korrigieren. Als unsere Freundschaft damals in die Brüche ging waren wir beide schuld. Es waren Fehler von beiden Seiten, die da eine Rolle gespielt haben. Doch nach einigen Jahren, in denen wir gewachsen sind und uns verändert haben, hat sich auch unser Verhältnis zueinander geändert. Wir waren dann irgendwann so "erwachsen", dass wir erkannten, dass wir doch eigentlich top Freunde sein könnten, und genauso ist das jetzt.

Wie man wahre Freunde findet ist wohl das größte Mysterium der Welt. Und auch ich kann es nicht lösen. Ich muss allerdings auch sagen, dass es mich nicht interessiert. Ich habe meine wahren Freunde. Ich habe Menschen, die ich liebe und bei denen ich mich geliebt fühle und deswegen muss ich mir keinerlei Sorgen machen, neue wahre Freunde zu finden. Klar ist es top, Freunde zu finden, aber wie man das macht? Keine Ahnung. Jedoch glaube ich, dass ein "Suchen nach Freunden" nicht funktioniert.

Oder wie sieht ihr das? Naja, ich hör dann mal auf. Mein geliebter HSV spielt jetzt gegen den KSC, und wer ist da im Stadium? Na, die Jenny natürlich ;-). Wie schon oft erwähnt, freue ich mich, eure Meinung zu hören.

Passt auf euch auf.
Alles Liebe,
die Jenny

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