Dienstag, 12. Mai 2009

Glück

Der folgende Blog hat seltsamer Weise sogar eine sinnvolle Überschrift. Nämlich: Glück.
Was ist es, das uns glücklich macht? Wie lang hält so was an? Und kann man lernen glücklich zu sein? Fragen über Fragen, die immer, zu allen Zeiten den Menschen im Kopf rumschwirrten, doch leider muss auch ich mich geschlagen geben und sagen: ich habe keine Antworten. Warum sollte es auch mir so viel anders gehen, wie den ganzen Philosophen, Psychologen und Schriftstellern vor mir, die sich alle bereits diese Frage gestellt haben? Eben, also kann auch ich nur subjektive Antworten geben, und wen die interessieren: schön weiterlesen bitte :).

1.) Was macht mich glücklich?
Diese Frage halte ich für sehr persönlich und für die subjektivste aller Fragen. Und obwohl man meinen sollte, jeder hätte mit "Wenn's mir gut geht und ich Freunde und Familie hab" die gleiche und vielleicht auch einzige Antwort. Doch ganz so einfach ist das wohl nicht. Obwohl oben genanntes natürlich auch für mich gilt, spielen viel mehr Faktoren eine Rolle. Nehmen wir an, ich bin gesund, komme aus einem "normalen" Elternhaus mit mehr oder weniger funktionierender Familie und habe auch ein paar tolle Freunde (-> bin also glücklich), aber dann krieg ich 0 Punkte in meiner Deutsch-Klausur. Logische Folge ist nun also, dass mein Glück verschwindet. Rede ich mir das dann nur ein und sag: Man, bin ich unglücklich, weil der Rest unwichtig und selbstverständlich erscheint? Letzteres ist wohl der wichtigste Punkt. Obwohl viele sagen würden: "Mir gehts gut, solangs meinen Lieben gut geht", müssen wir uns im Klaren darüber sein und auch ganz ehrlich mit uns sein und uns selbst mal hinterfragen. Sehen wir diese Dinge nicht als selbstverständlich und geben diese Antwort nur, um unser Gewissen zu beruhigen? Außerdem ist mir schon oft aufgefallen, dass wenn Menschen gefragt werden: Hey, was macht dich glücklich?, sie erstmal antworten: Mmmh, also natürlich, dass alle gesund sind und so, und sonst, .... und dann überlegen sie erst. Das ist doch schon komisch oder nicht? Es ist doch auch gut möglich, dass es mich bereits glücklich macht, bzw. mir ein glückliches Gefühl übermittelt, wenn ich meine beste Freundin nur sehen kann. Ist das dann auch selbstverständlich oder eher nicht? Mmmh, und was ist mit Menschen, die sich selbst als "Menschenhasser" bezeichnen? Werden die dann mit einem anderen Maßstab gerechnet? Oder was ist meine automatische Reaktion, wenn mir jemand die Frage, was ihn glücklich macht, damit beantwortet, dass er meint, er ist glücklich, wenn man ihn in Ruhe lässt. Find ich das okay, komisch, weirdo, vorbildlich oder beunruhigend, weil ich ihn somit gleich als Attentäter abstemple? Mmmh, keine Ahung. Die mit Abstand ehrlichste Antwort auf diese Frage bekam ich von der Bäb während ich in Amerika war. Es war die ehrlichste Antwort, weil sie es sich nicht so einfach gemacht hat und das hat es so besonders gemacht. Anstatt zu schreiben (wie manch anderer): Familie und Freunde machen mich glücklich, aber egal, erzähl von Amiland, hat sie sich ernsthaft damit beschäftigt und wollte mir einfach eine ehrliche Antwort geben, und genau das hat diese Frage auch verdient. Man sollte nicht einfach so eine Antwort daher labern von wegen: bli bla blub, sondern man sollte es ernst meinen, was man sagt. Mir war damals, als ich Bäb das fragte, die Frage schon länger im Kopf rumgespukt, einfach weil ich meine eigene persönliche Antwort damals verloren hatte. Ich war verwirrt, wusste nicht mehr, was mich denn nun wirklich glücklich macht und wusste nicht, ob ich glücklich bin oder nicht. Bäb wusste, dass ich viel auf ihre Antwort geben würde und hat deshalb ausführlichst geantwortet. Das macht das ganze so honest and kind. Anders kann ichs nicht sagen. Nun aber zu meiner Antwort auf diese Frage. Was macht mich glücklich? Ich würde mich selbst als relativ "einfach" und umgänglich bezeichnen, und genauso wird auch diese Antwort ausfallen. Während ich in Amiland war hab ich bemerkt, was für mich wichtig ist, und vor allem konnte ich so auch feststellen, was mich glücklich macht. Ich sehe es nicht für selbstverständlich an eine gesunde und intakte Familie zu haben. Es ist einfach nicht selbstverständlich. Leider merken manche Leute dies erst, wenn sie jemanden verloren haben, sonst würde es das Zitat "Man merkt erst, wie wichtig jemand für einen war, wenn man ihn verloren hat" gar nicht geben. Ich habe Angst davor Leute, die mir wichtig sind zu verlieren, was mich weder besonders depri, noch besonders sentimental oder besonders realistisch macht. In den letzten Jahren, hab ich die Zahl der Leute, die wirklich einen Platz in meinem Herzen inne haben, sehr stark dezimiert. Manchmal wollte ich das, und manchmal hatte ich gar keine andere Wahl. Das Gute ist nun, dass die Leute, die wirklich immer in meinem Herzen bei mir sind, meine volle Aufmerksamkeit bekommen können. Amerika hat mir verdeutlicht, wer auch in solch einer Zeit zu mir steht und wer nicht. Und leider hat es mir verdeutlicht, auf wen ich zählen kann und wen nicht. Wenn ich nun also meine Freunde (und nicht viele nenn ich so) glücklich machen kann, dadurch, dass ich ihnen einfach mehr von meiner Aufmerksamkeit und Zeit schenke, dann macht allein das mich glücklich. Ich merke daran auch, wie sehr ich gewachsen bin in den letzten Jahren. Während ich früher zumindest eine Rückmeldung auf eine "gute Tat" gefordert habe, ist das mir jetzt egal. Damit meine ich einfach, dass wenn ich jemandem, der mir wichtig ist, etwas gutes tue, und mich selbst damit glücklich mache, dann brauche ich weder von dieser Person eine annähernd gleiche Geste noch ein riesig ausgeschmücktes Danke. Mir reicht dieser eine Blick. Es ist dieser Blick der Dankbarkeit, ein Blick voll mit Glück. Dieser Blick macht mich glücklich, und das ist wohl die einzig wahre Antwort. Natürlich gibt es auch andere Faktoren, die eine wichtige Rolle spielen. Zu nennen wäre hier die Musik, die ich immer mit mir rumtrage, da Paul (mein iPod) einfach immer bei mir ist, aber auch wenn der Himmel einfach eine geniale Farbe hat und ich die Zeit habe, dieses Spektakel auch zu genießen. Das macht mich glücklich. Es sind die einfachen, unbezahlbaren aber doch so kostbaren Dinge, die das Leben lebenswert und mich glücklich machen.


2.) Wie lange hält sowas an?
Wie lange bin ich glücklich, nachdem ich Paul zur Seite gelegt habe und mich wieder auf andere Dinge konzentriere? Wie lange hält dieses Gefühl an? Kann ich etwas tun, um es zu verlängern? Wenn ja, was? Doch, man sollte noch weitergehen: wenn ich etwas tun kann, um das Glück für immer an mich zu "binden", würde ich es tun? Würde ich es wollen immer glücklich zu sein? Nach was strebe ich dann, wenn ich sowieso IMMER glücklich bin? Ich finde, man sollte diese Frage immer im Hinterkopf behalten: nach was strebe ich, wenn ich sowieso immer glücklich bin? Sollten wir nicht vielleicht die kleineren Glücksmomente mehr genießen, als wir das momentan tun und uns dafür an sie erinnern, wenn die in unserem Gedächtnis verschwimmen? Ich persönlich versuche genau das. Ich versuche mich durch die kleinsten Dinge glücklich machen zu lassen:
-wenn ich morgens, ohne zu rennen meine Bahn bekomme.
-wenn ich mit dem Auto fahre und sicher am Ziel ankomme.
-wenn ich irgendwo hinkomme und die Menschen mich mit einem Lächeln empfangen.
-wenn ich wieder mal aus dem Unterricht rausgehe und mich ein kleines bisschen klüger fühle als davor.
-...
Bisher funktioniert das System, denn dadurch, dass solch einfache Dinge mich glücklich und zufrieden machen, wenn auch nur für kurze Zeit, kann ich viel ruhiger und entspannter kommenden Aufgaben entgegentreten. Für mich heißt das also: es gibt verschiedene Arten von Glück, die verschieden lang halten. Ich weiß nicht, wie es ist verliebt zu sein und dann sagen zu können: ich habe in meinem Partner mein Glück gefunden. Aber ich denke, dass dies ein länger andauerndes Glücksgefühl ist, während Kleinigkeiten im Alltag (wie z.B. für ältere Menschen vorm Zebrastreifen eine Vollbremsung zu machen) genauso glücklich machen können, obwohl sie vielleicht nicht von allzu langer Dauer sind. Wir dürfen diese Kleinigkeiten nicht unterschätzen, sondern sollten sie genießen und vollkommen auskosten, dann würden wir erfahren, was Glück wirklich ist, und wie es sich anfühlt.


3.) Kann man lernen glücklich zu sein?
Ich glaube ich habe im letzten Abschnitt der 2. Frage bereits auf diese Frage geantwortet- ups- aber egal. Ich glaube, man kann lernen glücklich zu sein. Zwar hat dies nichts mit Training im eigentlichen Sinne zu tun, aber eine kleine Denk- und Verhaltensänderung tuts auch schon. Wir (und ich sage wir, weil ich mich hier nicht rausnehme) sollten einfach die Kleinigkeiten mehr zu schätzen lernen. Warum muss es immer der 26 Millionen € Lotto-Jackpot sein, nach dessen Gewinn wir dann sagen können: Jup, ich bin glücklich. ? Warum beginnen wir nicht mal damit zu lernen, dass auch einfachere Dinge uns glücklich machen können? Ich würde empfehlen, mal zu versuchen darauf zu achten, welche Dinge wir als logisch, klar oder selbstverständlich bezeichnen, obwohl sie das gar nicht sind. Und wenn wir diese Dinge erkannt haben, dann geht es daran, diese Dinge uns glücklich machen zu lassen. Hört auf zu denken und genießt es einfach. Genießt die Kleinigkeiten im Leben, wie das aufmunternde Wort einer Freundin, das Vorbeifliegen eines Schmetterlings oder die gute Note in der Schule.



Ich persönlich habe während des Schreibens dieses Blogs viel gelernt und mit wieder bewusst machen können, und das macht mich glücklich :). Ich weiß, dass viele meiner deutschen Blog-Leser nicht im Myspace sind, und mir also kein Kommentar hinterlassen können, aber wenn ihr trotzdem das Gefühl habt, ihr müsstet mir irgendwas sagen, egal was, dann meldet euch einfach oder lasst von euch hören in der Schule oder per Telefon. Mich würde wirklich interessieren, welche Meinung bezüglich "Glück" ihr vertretet, also: talk to me :).

In diesem Sinne, eine wunderschöne gute Nacht wünsche ich. Passt auf euch auf und seid glücklich :).

Alles Liebe,
die Jenny

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