Dienstag, 12. Mai 2009

Vertrauen

Nachdem mein letzter Blog den meisten Lesern doch gefallen oder zumindest einen Denkanstoß gegeben hat, kommt nun der zweite Blog, den man in die gleiche Kategorie setzen könnte. Dieser behandelt das Thema: Vertrauen.

Gibt es etwas wertvolleres, etwas unbeschreiblicheres und etwas ausfüllenderes als die Worte: "Ich vertraue dir." ? Gibt es eine bessere Art eine Freundschaft zu bestätigen ? Gibt es genialere Wege um die Zugehörigkeit zu einer geliebten Person darzustellen und preiszugeben ? Gibt es größere Gesten ? Ich würde ganz klar sagen, nein. Die (neuzeitlich) sehr beliebten Worte "Ich liebe dich" werden einfach so gegen jede Wand und jeden Kopf geworden. Während diese Worte früher noch wirklich was bedeuteten und man auch in manchen Filmen sieht wie schwer sich die Helden des Films damit tun diese Worte zu benutzen, desto öfter hört oder liest man sie mittlerweile. Man hat den Anschein als würden sie bezüglich manchen Personen leider an Wert verlieren. Umso wichtiger wird das Vertrauen. Wer hört denn schon den ganzen Tag: "Ich vertraue dir!" ? Also ich nicht, und genau das macht das so besonders. Zunächst muss man erstmal festlegen, was es überhaupt heißt jemandem zu vertrauen. Heißt das, ich vertraue meiner Frisörin, wenn sie mir die Haare schneidet oder heißt das, ich vertraue meiner besten Freundin, dass sie eine Kugel für mich abfängt (um das Bild des Hollywood-Streifens zurückkommen zu lassen) oder heißt das auch "nur", dass ich meiner besten Freundin vertraue, dass sie mir nie meinen Freund ausspannen wird? Was heißt "Vertrauen"? Besonders wenn unser Vertrauen bereits gebrochen wurde fällt es uns schwer wieder Vertrauen zu anderen Menschen zu fassen (auch das eine Paralelle zur Liebe, über die ich wohl im nächsten Blog referieren werde).
Ich persönlich muss sagen, dass ich mich sehr schwer damit tue Vertrauen aufzunehmen, denn für mich habe die Wörter "Ich vertraue dir." einen sehr großen Stellenwert und ich denke man sollte diesen nicht verspielen dadurch, dass man mit diesen Worten geradezu um sich wirft. Für mich sind Personen, denen ich Vertraue mehr als nur Freunde. Mein vollkommenes Vertrauen ihnen gegenüber hebt sie geradewegs auf eine komplett neue Stufe. Das bedeutet nicht, dass ich von den Menschen, die ich nicht gerade als meine dicksten Freunden bezeichnen würde, denke, dass sie sofort all meine Geheimnisse erzählen würden. Ganz und gar nicht. Für mich hat das nichts damit zu tun.
Wenn ich zu jemandem sage "Ich vertraue dir", dann bedeutet das für mich, dass ich davon ausgehe, dass ich mich sicher fühlen kann in der Gegenwart dieser Menschen. Das heißt nicht, dass ich mich sicher fühle vor Pistolenschüssen wie zuvor erwähnt, sondern eher, dass ich mich sicher fühle vor mündlichen Kanonenschüssen, die wir Menschen leider manchmal abbekommen. Das wiederum heißt nicht, dass ich davon ausgehe, dass die Menschen denen ich vertraue gleich auf Leute, die mich fertig machen, einschlagen oder ähnliche übertriebene Handlungen ausführen. Auch darum geht es wieder ganz und gar nicht. Es geht um dieses Gefühl. Es handelt sich um ein Gefühl, dass mir Geborgenheit spendet in Situationen in denen ich es am wenigsten erwarte. Ich habe erst vor kurzem den Satz gehört "Mein Zuhause ist nicht da, wo mein Bett steht. Mein Zuhause ist da, wo meine Freunde sind, da wo ich mich sicher fühle." Für mich ist diese Feststellung perfekt. Man könnte sie lediglich durch ein " ,... da, wo ich Vertrauen schöpfen kann." noch perfektionieren.
Die paar Freunde, denen ich voll und ganz hundertprozentig vertraue können auch auf meine hundertprozentige Loyalität zählen. Denn auch wenn es gut tut gesagt zu bekommen, dass Menschen dir vertrauen, es selbst anzubieten fällt uns doch einfacher als es eigentlich sollte. Wie oft sagen wir: "Du kannst mir vertrauen!" ? Für mein Empfinden viel zu oft und das nicht mit einer bösen Absicht sondern vielmehr, weil wir vielleicht nicht wissen, was es genau heißt auf Menschen vertrauen zu können. Können wir von uns aus überhaupt sagen, dass wir wissen, welches commitment (was heißt das auf Deutsch? ups...) wir da eingehen, bzw. anbieten? Ich glaube, dass die volle Bandbreite des Vertrauens leider nur die Leute erfahren können, die schwierige Zeiten in ihrem Leben gehabt haben und die mit ihren Liebsten durchgestanden haben. Wer jedoch in einer schwierigen Zeit Leute, denen er vertraut hat, verloren hat, für den wird es umso schwieriger je wieder Vertrauen zu fassen.

Und damit kommen wir zur Kehrseite der Medaille. Denn egal wie schön es ist, jemandem Vertrauen zu können oder auch zu wissen, dass Menschen auf einen vertrauen, wie schlimm ist es dann, wenn dieses Vertrauen gebrochen wird ? Gibt es etwas schlimmeres ? Gibt es einen schlimmeren Weg eine Freundschaft zu verlieren ? Beziehungsweise: Gibt es überhaupt einen anderen Weg eine Freundschaft zu verlieren, als das Verlieren des Vertrauens ? Ich denke nicht. Ich denke, dass ein Mensch, der dachte, er könne auf besondere Menschen vertrauen und dann durch sie enttäuscht wurde, nicht schnell (wenn überhaupt) wieder Vertrauen fassen kann. Es gibt nun mal nichts zerbrechlicheres. Deswegen glaube ich, dass wir vorsichtiger damit sein sollten, wem wir unser Vertrauen zusprechen und auch auf wen wir vertrauen.

Ich habe das Glück einige Menschen zu haben, auf die ich vollkommen vertrauen kann. Diese Menschen können sich auch sicher sein, dass ich sie nie im Stich lassen oder enttäuschen würde. Sie können wahrlich auf mich vertrauen.

Wie sieht das bei euch aus? Schreibt mir, talkt mit mir, ruft mich an, gibt mir ne Rückmeldung. Wär sehr froh drüber.

Passt auf euch auf.
Alles Liebe,
die Jen

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