Sonntag, 17. Mai 2009

Zeit

Sie ist momentan meine größte Feindin. Jedes Mal wenn ich an sie denke, dreht sich mein Magen rum. Ich kann sie wirklich gar nicht leiden. Sie treibt mich in den Wahnsinn und raubt mir den Verstand. Sie vergeht viel zu schnell, passt ihre Geschwindigkeit nicht an mich an und nimmt keine Rücksicht. Nimmt keinerlei Rücksicht auf Verluste. In fast jedem Lied wird sie thematisiert. In fast jedem Gedicht wird sie beschrieben. Die Einen wollen mehr von ihr, die Anderen wollen sie zurück und Manche wollen, dass sie vergeht. Doch sie passt sich keinen Wünschen an. Sie kann es niemandem recht machen und versucht es erst gar nicht, sondern geht einfach ihren eigenen Weg. "Sie" ist die Zeit. 


Warum ich die Zeit momentan nicht mag ist eigentlich recht simpel. Sie vergeht für mein Empfinden nicht nur zu schnell, sondern sie lässt mir dabei auch noch dazu keinerlei Chance durchzuatmen um mich mit ihr auseinander zu setzen. Ich fühl mich wie ein trotziges kleines Kind, weil ich in die Welt hinausschreien will: ICH WILL NICHT,DASS DIE ZEIT VERGEHT! Doch leider habe ich keine Chance. Die Zeit vergeht und nimmt mir mit jedem Wort, das ich hier schreibe die Hoffnung, die vergangenen Stunden zu wiederholen bzw. zurückzuholen

Ich sehne mich nach der Vergangenheit weil ich Angst vor der Zukunft habe und zu viel Respekt vor dem Jetzt um es zu genießen.

Ich sehe mich vor allem zu der Zeit zurück, die mein Leben verändert hat. Hierbei handelt es sich um meine ersten Jahre als stolzes Mitglied der besten Theater AG der Welt. Mit diesen Jahren verbinde ich viele der besten Erinnerungen, die sich mittlerweile in 18 Jahren in meinem Kopf angesammelt haben. Ich habe nicht nur einige der wichtigsten Personen meines Lebens kennen und lieben gelernt, sondern auch viel über mich selbst erfahren. Ich war jedoch immer Realist, immer auf der Höhe des Geschehens und habe jede Sekunde dieser Zeit genossen. Ich kann mir nicht vorwerfen nicht gelebt zu haben während dieser Zeit, ich kann mir nicht vorwerfen diese Zeit einmal nicht als Geschenk angesehen zu haben. Zu wissen jedoch, dass es nie wieder so sein wird wie damals, dass es nie wieder ein solches Gruppengefühl mit diesen Leuten geben wird, dass wir vielleicht jahrelang nicht mehr in dieser Konstellation zusammenkommen werden und zu wissen, dass jeder von uns sich in eine andere Richtung (geistig und geographisch) entwickeln wird, das macht mich sehr traurig. Zugleich bin ich dankbar für die vielen schönen Momente, die ich erleben durfte. Doch gerade jetzt, wo die Schule mir den letzten Nerv raubt, denke ich viel zu oft an diese Zeit zurück. Soll bedeuten: dadurch, dass die Gegenwart nicht gerade der Knüller ist erscheint die Vergangenheit in einem noch viel besseren Licht als sie sowieso schon ist. Erschwerend kommt hinzu, dass meine Angst vor der Zukunft immer weiter zunimmt. Überall wird man nun mit Fragen wie "Was machst du nach dem Abi? Was willst du studieren? Oder erstmal ins Ausland? Was machst du nach dem Studium? Findet man da überhaupt einen Job?" bombardiert. Not really helping, people

Die nervtötende Gegenwart plus die angsteinflößende Zukunft ergeben bei mir eine Mischung, die zu einem Sehnen nach der Vergangenheit führt. Und diese Mischung ist momentan "explosiv" und zerstörerisch. Ich weiß, dass ich mich in einem Teufelskreis befinde, denn umso trauriger ich darüber bin, dass die Vergangenheit vergangen und unwiederbringlich ist, desto mehr verschlimmert sich meine Gegenwart und desto mehr Angst habe ich vor der Zukunft. Noch habe ich keinen Weg entdeckt aus diesem Teufelskreis auszubrechen, noch befinde ich mich mittendrin. Ich würde ja sagen, ich hoffe, dass die Zeit eine Lösung bringt, aber ich traue ihr nicht mehr. Ich will ihr nicht mehr trauen. Ich will sie verfluchen und hassen. So recht funktionieren will das allerdings nicht, denn der heutige Tag (vor allem der heutige Mittag) war ungefähr überragend und dafür müsste ich eigentlich der Zeit danken. Doch das kann ich nicht. Ich will sie hassen. 


Lern in der Zeit dein Urbild finden,

geht dem Leben Hand in Hand,

es gilt den Stoff zu überwinden

Tod ist des Lebens höchstes Unterpfand.

 

Prüfe, was Bestand verleiht;

Starrheit ist nicht Festigkeit.

 

Dreifach kommt die Zeit:

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,

pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,

ewig still steht die Vergangenheit.

(Friedrich von Schiller)



Dabei möchte ich es nun belassen. 
Die Zeit raubt mir einfach meine Kraft und meine Hoffnung. Jetzt gilt es durchzuhalten. Wünscht mir Glück dabei. 

Alles Liebe,
die Jen

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